Mittwoch, 21. März 2018
Das Saisonende naht, also nochmal auf die Insel...
Auch wenn es für den Außenstehenden etwas verückt erscheint, nach Feierabend mal eben 120 km (eine Strecke) über den Asphalt zu düsen - das Datum Ende März besagt eindeutig, dass die Bernsteinsaison sich dem Ende neigt und die Tür für große Funde für eine ganze Weile erstmal wieder verschlossen bleibt. Also muss man einfach die Chance nutzen! (Vielleicht sollte man den Zusatz "wenn man bernsteinsüchtig ist" hinzufügen.)

Da das Sammeln zu zweit mehr Spaß macht, habe ich den Junior gefragt, der nur zu gern seine Bereitschaft erklärt hat, mich zu begleiten. Ankunft in Juliusruh gegen 17 Uhr. Erster Eindruck: Mehr Tang als alles andere - zumindest an der Stelle, wo ich vor ein paar Tagen war. Aber der Blick die Bucht entlang, offenbarte die frische Quelle: In der Ferne mehrere Menschen am Ufer in gebückter Haltung. Dort ebenfalls angelangt, mussten wir feststellen, dass wir nicht richtig gekleidet waren. Warm eingepackt waren wir schon, halbwegs wasserdichtes Schuhwerk auch am Fuß, aber um direkt an die Kante zu kommen, bedurfte es Gummistiefel. Verdammt! Wieder was dazu gelernt, was beim nächsten Mal unbedingt mitgeführt werden muss!

Es war ganz lustig anzusehen. Normalerweise sieht man ja seine Hobbykollegen um einen herum gehockt oder gebückt im Muschel-Rollholz-Gemisch mit einem Stöcken oder einer Harke pulen. Hier standen ein halbes Dutzend Leute aufgereiht am Ufer und schauten mit leicht gebeugtem Oberkörper in die Fluten. Mit jeder Welle wurde nämlich neuer Bernstein angespült und mit dem richtigen Schwung landete er auf dem bereits aus Algen gebildeten Sockel vor den Füßen und man musste sich nur noch bücken. Einige hatten auch eine Harke oder Stöckchen dabei, um beim Bergen etwas nachzuhelfen.

Tja, da das für uns keine Option war, zogen wir erstmal weiter und suchten im bereits vor ein paar Tagen angespülten Zeug nach dem Gold des Meeres. Da trotz mehrfachen Wendens nie immer alles gleich entdeckt wird (auch wir haben garantiert einiges noch übersehen), konnten wir hin und wieder ein paar kleine fossile Baumharzstücke in die Tasche stecken. Auf dem Rückweg (es war mittlerweile dunkel) haben wir gar nicht mitbekommen, dass wir plötzlich auf genau dieser Kante standen, wo bei Tageslicht die Leute noch auf den Bernstein einfach warteten.

Und tatsächlich, auch im Schein der Taschenlampen sahen wir hier immer wieder Bernstein anrollen. Einiges konnte man von der Kante oben absammeln, aber natürlich waren die immer wieder im Meer verschwindenen viel größer und schöner und - so ist es wohl bei jeder Sucht (sie riefen wie die Sirenen!) - irgendwann macht man den Schritt, um diesen einen Stein zu greifen... und: hat nasse Füße! Das habe ich einmal mit links gemacht und einmal mit rechts. Im Ergebnis hatte ich zwei schöne Steine in der Tasche, aber auch Wasser in den Schuhen.

Nun ja, ab jetzt war es auch egal, also weiter! Wer das Gefühl noch nicht kennt, nur durchs Bücken ins Schwitzen zu kommen, muss mal Bernstein sammeln gehen (die Betonung liegt auf "sammeln" - mit suchen hat das kaum noch was zu tun). Irgendwann standen wir doch in bzw. auf einer Algen-Sackgasse, um uns herum nur noch Wasser. Den ganzen Weg wieder zurück erschien unpopulär. Also wurden kurzerhand die Algenberge abgetragen und zu einem Damm aufgeschüttet, der uns dann ohne weitere Wassereinbrüche in die Schuhe zurück an Land brachte. Wenn man schon mit seinem Filius bis spät mitten in der Schulzeit unterwegs ist, darf es auch gleich gern noch ein bisschen Abenteuer sein!

Tja, da waren wir also auf dem Rückweg, das Suchen eigentlich abgeschlossen. Das Revier überließen wir den besser ausgerüsteten Sammlern mit Neoprenanzügen und Keschern. An einer Stelle leuchteten wir aber noch mal zum Wasser hin, auch noch ein bisschen zurück... und stürzten dann beide gemeinsam auf den dicken Brocken. Tja, der lag da einfach obenauf. Entweder sind die Kescher-Meister alle dran vorbeigelaufen oder eine Welle hatte ihn frisch dorthin geworfen. Nun war er unser! Größter bisheriger Fund! 26 g bringt er auf die Waage! Damit wir uns nicht streiten, wer ihn gefunden hat und behalten darf: Er ist unser gemeinsames Vater-Sohn-Eigentum. :-)

Hier ein paar erste Fotos:



Die Euromünze ist natürlich rausgewogen, also mit Münze Waage genullt, Bernstein rein = 26 g.

Und hier nochmal in gereinigtem Zustand:


Alles zusammen hat 154 g auf die Waage gebracht.

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