Samstag, 31. März 2018
Karfreitag am Ostseestrand
Meine Donnerstags-Strandfundewanderung habe ich um einen Tag verschoben, von Donnerstag auf Freitag. Grund: Heftiger Schneefall! Und das Ende März. Zusammen mit starkem Ostwind wäre das sehr ungemütlich geworden. Wie gut die Entscheidung war, war Freitagfrüh am Treffpunkt über 20 gutgelaunten Mitwanderern anzumerken. Die Sonne schien, der Wind wehte nur schwach aus West. Der Windwechsel über Nacht bescherte uns zudem ablaufendes Wasser und damit einen seeehr breiten Spülsaum - beste Bedingungen für Strandfunde! Und so ließ der erste Bernstein auch nicht lange auf sich warten. Von da an war es schwierig, die Gruppe zusammen zu halten. ;-) Ich musste immer mal wieder auf den Rückweg vertrösten, damit wir unser Ziel noch erreichen. Soviel Tüten habe ich ewig nicht herausgegen müssen, alle wollten ihre Schätze gut verstauen. Die Kinder waren natürlich besonders emsig. 20, 30, 40 - es wurden immer neue Beutelinhaltsangaben (in Stückzahl) verkündet. So macht eine Strandfundewanderung natürlich besonders Spaß, wenn alle erfolgreich und damit glücklich sind. :-)





Auf dem Hinweg habe ich ca. 50 Stück noch verschenkt, auf dem Rückweg kam ich dann auch nicht umhin, das eine oder andere Stück in die Hosentaschen zu stecken. Da stand der Beschluss eigentlich schon fest, mit meinem Sohn nochmal zurückzukehren...

Aber erstmal habe ich hauptsächlich Müll eingesteckt, wie jedes Mal bei meinen Strandfundwanderungen. Dieses Mal waren auffällig viele frisch zerschlagene Flaschen dabei. Was mir noch das explizite Lob eines der zahlreichen Bernsteinkescherer einbrachte, da abgebrochene Flaschen für Träger von Gummistiefeln oder Neoprenanzügen äußerst unangenehme Begegnungen verursachen kann. Mein 15 Liter-Müllbeutel war am Ende wieder gut gefüllt. Erstaunlich, war doch gerade 6 Tage zuvor Nationalpark-Küstenputz und die eifrigen Müllsammler waren auch am Prerower Nordstrand unterwegs.

Und wieder einmal war unter den unerfreulichen Fundstücken ein Quark- bzw. Frischkäsebecher aus DDR-Produktion mit eingeprägtem Mindesthaltbarkeitsdatum: 11.07.89! Das Stück war also knapp 30 Jahre im Meer unterwegs und noch ziemlich intakt! Erschreckend...



Da fällt mir noch der dazu passende Fund von neulich in Juliusruh ein: Eine Leberwurstdose aus der gleichen Zeitrechnung:



Ich glaube, dass auch die gelbe Speiseöl-Flasche aus Plaste, die hier oben auf im Müllbeutel liegt, noch für Mark und Pfennig der DDR seinen Besitzer gewechselt hat.



So, nun aber nochmal zum Bernstein. Zuhause angekommen, war Sohnemann gerade zu einem Freund verschwunden und meine Liebste wartete sehnsüchtig auf mich in der renovierungsbedürftigen Küche. Die Decke war schon gestrichen, so dass ich mich genötigt sah, mit einzusteigen und zumindest die Wände zu übernehmen. Die Sonne stand schon tief, als wir endlich zusammen aufbrechen konnten.

In Prerow angekommen, hatte der Wind wieder mächtig aufgefrischt und pustete aus Ost, was den Wasserstand wieder um einiges hat ansteigen lassen in meiner Abwesenheit. So waren einige Fundstellen vom Vormittag schon wieder überspült. Die vielen Bernsteinsammler mit ihren Keschern waren verschwunden. Wir hatten den Strand für uns allein. In etwas mehr als 2 Stunden sind wir bis zum Nothafen gelaufen, den kalten Ostwind zum Glück im Rücken. Das viele Bücken hält bekanntlich warm, aber wenn man mit den Händen 5 bis 10 Steinchen hintereinander aus dem 3 Grad kalten Ostseewasser fischt, dann ist erstmal eine Weile gar nichts mehr mit Aufheben drin und die Hand zur Wiederbelebung erstmal ganz tief in der Hosentasche vergraben.

Wir hatten diesmal nicht das ganz große Glück, aber für diesen kleinen Abendspaziergang war die Ausbeute doch auf jeden Fall beachtlich. Mein Sohn hat mich übrigens wieder mit 69 g zu 63 g geschlagen. ;-)


Meine Funde


und die meines Sohnes

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